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Sprachverhunzer mit Fleiß am Werk

Seit einiger Zeit schon war es in linken und sich als fortschrittlich verstehenden Kreisen üblich, bei jeder Personenbezeichnung gleich noch die weibliche Spezialform hinterherzuschicken: Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen, Wähler und Wählerinnen, Bamberger und Bambergerinnen usw. usf. Das klang ein bißchen umständlich und bemüht, aber man mußte es ja nicht mitmachen, nur manchmal akustisch über sich ergehen lassen. Andere erfanden schon vor Jahrzehnten das Binnen-I, um das ganze kürzer zu halten, nur aussprechen konnte man es nicht.


Ganz konsequent waren die GenossInnen aber auch nicht; von Zeit zu Zeit erschien in der taz immer mal wieder ein empörter Leserbrief – ‚tschuldigung, ein LeserInnenbrief des Inhalts, daß da schon wieder einmal die Frauen „vergessen“ worden seien.


Das konnte man alles mit einem Schmunzeln abtun, das war eine Spielwiese von Spinnern und Gesellschaftsbeglückern, die zum Glück nichts zu sagen hatten. Die Zeit ist vorbei.


In der Zwischenzeit, von den meisten unbemerkt, sind die Gesellschaftsbeglücker und Ingenieure der deutschen Sprache durch die Institutionen marschiert und schließlich angekommen: in den Universitäten, Schulen, Medienanstalten, Verwaltungen und in der Politik. Nur allzu gerne reagieren Verwaltungen und Leitungen auf „Anregungen“ in dieser Richtung: In Bamberg durfte das Bürgerrathaus so nicht heißen, weil ja die Bürgerinnen dann ausgeschlossen gewesen wären. Die Umbenennung wurde bei Nacht und Nebel am Stadtrat vorbei durchgezogen.


Und nun nimmt die Sache Fahrt auf: Seit Herbst vergangenen Jahres hören wir in den Medien nicht nur von einzelnen Interviewten, sondern von den offiziellen „RedakteurInnen“ eine neue Aussprache: die Teilnehmer innen waren einverstanden. Was war mit den Teilnehmern außen? Die Künstler innen werden unterstützt. Was ist mit den Künstlern außen? Damit sollen „auch die Frauen“ „sichtbar gemacht“ werden, heißt es. Denn Teilnehmer, Bürger, Mitglieder seien angeblich nur Männer. Und da das dem allgemeinen historisch gewachsenen Verständnis der deutschen Sprache zuwiderläuft, muß man an diesem mit Gewalt drehen.

Und so kam vor ein paar Wochen der zweite Schlag: Der Duden schafft das generische Maskulinum (so nennt man das) offiziell ab. 12.000 Einträge werden nach und nach „verbessert“. Danach ist dann ein Teilnehmer nicht mehr eine Person, die teilnimmt, sondern eine männliche Person, die teilnimmt. Das, was die taz-LeserInnen der Redaktion vorwarfen, wird nun nachträglich zum Gesetz erklärt. Gegen jede Sprachgeschichte, Sprachpraxis und Sprachgefühl der Mehrheit.


Der Duden maßt sich Herrschaft über unsere Sprache an.

Das ganze wird einem verkauft als Schritt zur Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen, als „Gendergerechtigkeit“. Was das grammatische Geschlecht mit dem biologischen zu tun haben soll und wie eine künstliche, übergestülpte Sprachverhunzung den Frauen helfen soll, bleibt unerklärt. Hier haben wir es nicht mit Vernunft zu tun, sondern mit Ideologie. An der natürlich viele schöne Pöstchen hängen.


Das grammatische Geschlecht heißt eigentlich Genus. Ein Wort hat kein Geschlecht, da hängt kein Penis dran. Das ist reine Konvention. Die Linguisten haben es irgendwann einmal Geschlecht genannt – das rächt sich jetzt. Dabei kann die Waise ein Mann sein (wie auch die Memme), und das Mannequin kann eine Frau sein. Jeder Kater ist trotzdem eine Katze.


Es gibt Sprachen, die absolut „gendergerecht“ sind, weil es in in ihnen kein Genus gibt. In den zugehörigen Ländern sind die Frauen trotzdem überhaupt nicht gleichberechtigt. Wenn man etwas für die Lage der Frauen tun will, dann soll man etwas für die Lage der Frauen tun, aber nicht die Sprache verunstalten.

 

Nach dem letzten Coup der Sprachverhunzer gab es endlich mehr und lauteren Widerstand in breiteren Kreisen. Namhafte Germanisten (Proff. Glück und Eisenberg) meldeten sich zu Wort. Denn es ist keine Bagatelle mehr. Es handelt sich um einen tiefen und gewaltsamen Eingriff in unsere Sprache, also unsere Kultur. Aber die da am Rad drehen, sind mächtig, und sie sitzen an den richtigen Stellen. Wie man letztens erfahren konnte, sind auch große Konzerne bereit und auf dem besten Wege, bei sich die „gendergerechte“ Sprache einzuführen (die merkwürdige Allianz aus dem global agierenden Kapital und den linken „Kulturmarxisten“ ist einen eigenen Artikel wert).


Die Sache ist also noch nicht entschieden. Wir alle können aber etwas tun – indem wir weiter ganz normal reden, den Redaktionen unseren Unmut mitteilen und auch unseren Kindern klarmachen, daß bei den Teilnehmern, Mitgliedern, Einwohnern, Bürgern und Künstlern die Frauen nicht „mit“gemeint sind, sondern einfach nur gemeint. So wie die Männer. Und gegebenenfalls alle Geschlechter dazwischen. Lassen wir uns nicht unsere Muttersprache nehmen!


Dr. Eberhard Schmidt

GenderGaga

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